Stefan Strumbel in seinem Atelier in Offenburg. Bildquelle: Wikipedia © Leo Maria Suhm
Im Portrait: Stefan Strumbel – Pop-Art-Künstler aus Offenburg
Der erste Eindruck von Stefan Strumbel kommt über sein Werk – nicht über die Person. Eine sechs Meter hohe Madonna in Hanauer Tracht an der Wand einer Dorfkirche. Zwei 15 Meter hohe Tannenzapfen vor einer Schwarzwälder Brauerei. Eine Kuckucksuhr in Pop-Art-Farben, die das eigene Heimatgefühl plötzlich kippen lässt. Strumbel ist der Offenburger Künstler, der den Schwarzwald in Pop Art übersetzt – und damit den Heimat-Begriff selbst neu verhandelt.
Die „Welt“ hat ihn einmal den „Andy Warhol der Kuckucksuhren“ genannt. Das Etikett trifft seine Methode gut – aber nicht seine Tiefe. Während Warhol Konsumobjekte spiegelte, arbeitet Strumbel an einer Frage, die viel älter ist als Pop Art: Was ist Heimat, wenn man sie nicht mehr naiv haben darf?
Wer ist Stefan Strumbel?
Stefan Strumbel wurde am 17. Mai 1979 in Offenburg geboren. Sein Vater Toni Strumbel war ein jugoslawischer Judoka, der 1962 als Elektriker nach Deutschland auswanderte – eine Familienbiografie, die das Thema Heimat schon in der Herkunft mitbringt. Strumbel selbst ist in Offenburg geblieben: Hier lebt und arbeitet er bis heute.
Sein künstlerischer Weg beginnt 1993, ab 2001 arbeitet er freischaffend. 2006 folgt die erste Einzelausstellung im Kunstverein Offenburg-Mittelbaden – und ab da geht es schnell: Sakralkunst, Bühnenbilder, Skulpturen im öffentlichen Raum, internationale Ausstellungen. 2015 nimmt er eine bewusste Neuausrichtung vor – weg vom Flüchtigen, hin zu Werken mit mehr Beständigkeit und einer abstrakteren, universelleren Bildsprache.

Heimat als Thema: Strumbels Bildsprache zwischen Tradition und Pop Art
Strumbels Werk lebt von einem Vokabular, das jeder kennt, der einmal im Schwarzwald war: Kuckucksuhr, Bollenhut, Madonna, Kruzifix, Tannenzapfen, Bambi. Genau die Symbole, die in Souvenirläden zur unfreiwilligen Karikatur werden – und die er zurück in den Kunstkontext holt. Mit Pop-Art-Farben, Street-Art-Gesten und einer Ästhetik, die irgendwo zwischen Galerie und Spraydose liegt.
Was an seinem Werk fasziniert: Er liefert den Schwarzwald nicht als Postkarte, sondern zerlegt ihn in seine Symbole und baut sie neu zusammen. Wer sich in seinen Bildern umsieht, entdeckt die eigene Heimat plötzlich mit fremden Augen.
„Tradition trifft Innovation“ wird oft als Floskel benutzt. Bei Strumbel ist es Methode: Er greift in die ältesten Symbole der Region und zwingt sie, eine Frage von heute zu beantworten.
Die wichtigsten Werke von Stefan Strumbel
Madonna in Hanauer Tracht – Goldscheuer (2011). Strumbel gestaltet die Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ in Goldscheuer komplett neu. Zentrales Werk: eine sechs Meter hohe Madonna in Hanauer Tracht. Sakralkunst, die Tradition ernst nimmt und gleichzeitig zeitgenössisch übersetzt – einer der mutigsten Schritte des damals jungen Künstlers.
„Holy Heimat“ – Badisches Landesmuseum Karlsruhe (2012). Die Werkschau am Badischen Landesmuseum macht Strumbel über die Region hinaus bekannt. Erstmals bekommt sein Heimat-Begriff den großen institutionellen Rahmen.
Bühnenbild „La Bohème“ – Stuttgarter Staatsoper (2013/14). Pop-Art-Künstler trifft Klassik-Repertoire. Strumbel entwirft das Bühnenbild für Puccinis Oper – ein Sprung von der Galerie auf die ganz große Bühne.
Karlsruher Stuhl (2015). Bronzeplastik zum 300. Stadtjubiläum von Karlsruhe – ein Stuhl als Symbol für die Stadt. Strumbel zeigt: Public Art muss nicht erklären, sie muss funktionieren.
„Verstehen ist ein Gefühl von Heimat“ – Grafenhausen (2016). Zwei 15 Meter hohe Tannenzapfen aus Stahl, sechs Tonnen schwer, vor der Rothausbrauerei in Grafenhausen. Die Skulpturen stellen die Gewichte einer Kuckucksuhr dar – Schwarzwald, ins Monumentale übersetzt. Wer am Hochschwarzwald vorbeikommt, sollte einen Stopp einplanen.
Bühnenbild „Die neuen Todsünden“ – Badisches Staatstheater Karlsruhe (2020). Zweite große Bühnenarbeit – diesmal mit einer expliziten gesellschaftlichen Frage im Titel.
„The New Times“ – Times Square, New York (2024). Strumbels Schwarzwald-Pop-Art schafft es nach Manhattan. Ein Werk auf den Bildschirmen am Times Square – Heimat-Begriff im globalen Kontext.
Aktuelle Werkserien (2025). Auf seiner Webseite stellt Strumbel aktuelle Serien vor: „SCHWARZ WALD GOLD“, „Where The Forest Remembers“, „Dunkle Zeiten“, „The Owl“. Der Schwarzwald bleibt sein Kernthema – mit jeder Serie aus einem anderen Winkel.
Das Kesselhaus in Offenburg: Strumbels eigener Kulturraum
2020 erwirbt Strumbel das Kesselhaus in Offenburg – ein ehemaliges Energiezentrum aus dem Jahr 1857. Im Mai 2023 eröffnet er es als Kulturzentrum mit Skulpturenpark. Atelier, Ausstellungsort und öffentlich zugänglicher Kulturraum in einem.
Damit verankert Strumbel sein Werk nicht nur künstlerisch, sondern auch räumlich in Offenburg. „Für mich ist das hier der letzte Diamant in Offenburg“, sagte er der Schwarzwald Tourismus GmbH über das Kesselhaus. Wer seine Arbeit live erleben will, kommt an diesem Ort kaum vorbei – mehr Details findest du im Beitrag zum Kulturzentrum Kesselhaus Offenburg.
Wo du Stefan Strumbels Kunst sehen und kaufen kannst
Im öffentlichen Raum: Die Tannenzapfen-Skulpturen vor der Rothausbrauerei in Grafenhausen, die sakrale Neugestaltung der Kirche Maria, Hilfe der Christen in Goldscheuer und der Skulpturenpark am Kesselhaus in Offenburg sind frei zugänglich.
In Galerien: Strumbel wird unter anderem von der Circle Culture Gallery in Berlin und der Galerie Schrade vertreten. Aktuelle Ausstellungstermine sind auf seiner Webseite gelistet.
Online: Originale, Editionen und Prints gibt es über seinen eigenen Shop – shop.stefanstrumbel.de. Aktuelle Werkserien und News laufen über die offizielle Webseite stefanstrumbel.de sowie seinen Instagram-Kanal @stefan_strumbel.
Stefan Strumbel hat geschafft, woran sich viele versuchen: Er hat dem Schwarzwald eine Bildsprache gegeben, die sowohl Sammler wie Karl Lagerfeld und Hubert Burda anspricht als auch dem örtlichen Kirchenvorstand standhält. Das ist kein Kompromiss – das ist eine Haltung. Genau deshalb gehört er zu den Stimmen, die Black Forest Patrol porträtiert. Wer sich für Schwarzwald-Künstler interessiert, sollte auch das Porträt von Zeljko Rusic lesen – ein anderer Schwarzwald-Bildhauer, andere Mittel, dieselbe Frage nach Identität.
Mehr über den Künstler: www.stefanstrumbel.de
Häufige Fragen zu Stefan Strumbel
Wer ist Stefan Strumbel?
Stefan Strumbel ist ein 1979 in Offenburg geborener Künstler, dessen Werk den Schwarzwälder Heimat-Begriff mit Pop Art und Street Art verbindet. Bekannt wurde er mit bunt verfremdeten Kuckucksuhren, Madonnen und Bollenhüten. Er lebt und arbeitet in Offenburg.
Warum wird Stefan Strumbel „Andy Warhol der Kuckucksuhren“ genannt?
Das Etikett geht auf eine Besprechung der „Welt“ zurück und bezieht sich auf Strumbels Methode: Er nimmt ikonische Schwarzwald-Motive – allen voran die Kuckucksuhr – und übersetzt sie in Pop-Art-Farben und serielle Bildsprache, wie es Warhol mit Coca-Cola oder Marilyn tat.
Was ist das Kesselhaus in Offenburg?
Das Kesselhaus ist ein ehemaliges Energiezentrum von 1857, das Stefan Strumbel 2020 erworben und im Mai 2023 als Kulturzentrum mit Skulpturenpark eröffnet hat. Es ist sein Atelier, Ausstellungsort und öffentlich zugänglicher Kulturraum in Offenburg.
Wo kann man Werke von Stefan Strumbel kaufen?
Originale und Editionen gibt es unter anderem über seinen eigenen Shop unter shop.stefanstrumbel.de, die Circle Culture Gallery in Berlin sowie die Galerie Schrade.
Welche öffentlichen Werke von Stefan Strumbel kann man besuchen?
Frei zugänglich sind unter anderem die sakrale Neugestaltung der Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ in Goldscheuer (2011), die beiden 15 Meter hohen Tannenzapfen-Skulpturen „Verstehen ist ein Gefühl von Heimat“ vor der Rothausbrauerei in Grafenhausen (2016) sowie der Skulpturenpark am Kesselhaus in Offenburg.
Was bedeutet „Heimat“ in Stefan Strumbels Kunst?
Strumbel versteht Heimat nicht als Kitsch, sondern als Begriff, der befragt und neu verhandelt werden muss. Er arbeitet mit den bekanntesten Schwarzwald-Symbolen – Kuckucksuhr, Bollenhut, Madonna, Kruzifix, Tannenzapfen – und bricht ihre Bedeutung durch Farbe, Format und Kontext auf.

Moin! ich bin Manuel. Mit Black Forest Patrol – meinem Guide für außergewöhnliche Erlebnisse im Schwarzwald – kombiniere ich meine Leidenschaft für Outdoor, Design & Marketing. Begleite mich auf meiner Reise durch den Schwarzwald. Mehr Infos